Von 2007 bis 2010 wurde der Universität Hildesheim eine Heinz Dürr Stiftungsprofessur für Szenische Künste eingerichtet.
Erster Stiftungsprofessor im Fachbereich Kulturwissenschaften war John von Düffel, der neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit seit dem Jahr 2000 als Dramaturg am Thalia Theater Hamburg gearbeitet hat und später zum Deutschen Theater Berlin wechselte.
Im Wintersemester 2008/2009 hat der Theaterregisseur Stefan Pucher die Professur übernommen. Mit den Studierenden arbeitete Pucher an einem Projekt zu Shakespeares Römerdramen Julius Cäsar und Antonius und Cleopatra. In 2009/2010 hat Tim Staffel anhand von Interviewreihen mit den Studierenden Theatersequenzen entwickelt.
Mit der Professur haben Studenten die Möglichkeit, aus der Praxis zu erfahren, wie Theater gemacht wird und Theaterstücke geschrieben werden. Heinz Dürr begründet das Engagement der Stiftung wie folgt :
„Die Stiftungsprofessur für „Szenische Künste“ an der Universität Hildesheim soll auch nach außen deutlich machen: Kultur beginnt dort, wo Bürger sich – auch finanziell – für sie engagieren. Dabei wollen wir mit der Professur die qualifizierte Ausbildung der nächsten Generation der Theatermacher fördern."
Warum ist die Förderung des Theaters wichtig? Warum sollten Unternehmer das Theater unterstützen?
Im Theater wird Kultur reales Leben. Die Menschen stehen auf der Bühne und versuchen mit dem Leben – mir ihrem Leben – fertig zu werden. Wir, die Zuschauer, sind interaktiv dabei. Leben, leiden und freuen mit den Schauspielern. Das belebt und initiiert die Kommunikation unter den Besuchern; die Auseinandersetzung mit der Gesellschaft, mit ihren Zwängen und Auswegen. Und: Wegzappen geht nicht; höchstens in der Pause gehen – wenn es denn eine gibt.
Gerade in der heutigen Zeit, in der diskutiert wird, wo die gesellschaftliche Entwicklung hingeht, ob die neoliberal-kapitalistischen Einflüsse auf die Marktwirtschaft nicht korrigiert werden müssen, gerade da ist das Theater gefragt. Es sollte die Auseinandersetzung aufgreifen und beleuchten, was mit den Menschen passiert, die trotz eines funktionierenden Wirtschaftssystems so verunsichert sind, dass viele kein Vertrauen mehr haben. Ich als Unternehmer muss an solchen Auseinandersetzungen interessiert sein.
„Die Wirtschaft ist unser Schicksal“, stellte Walther Rathenau schon 1916 fest. Denn die Wirtschaft findet in der Gesellschaft statt; nicht nur in der Wirtschaft, wie ein früherer Bundeswirtschaftsminister einmal meinte.
Und – hier schließt sich der Kreis – Gesellschaft ohne Kultur gibt es nicht. Kultur, die Beschäftigung mit der Kultur, ist die Atemluft einer lebendigen Gesellschaft. Alles nur am Geld, am Gewinn für die Unternehmen und den Einzelnen zu messen, führt zu einer erstarrenden Gesellschaft.
Wir brauchen Medien, die diese Problematik einer kapitalistisch orientierten Gesellschaft aufzeigen und zur Diskussion stellen. Das Theater ist ein solches Medium. Es muss nicht unbedingt nur erziehen wollen, wie Brecht einst meinte, es kann ruhig Vergnügen erzeugen. Aber: Es sollte vor allem anregen und aufregen.“
Für Professor Jens Roselt operiert der Stiftungsprofessor zusammen mit den Studenten am offenen Herzen des Theaters, so formuliert er in seiner Begrüßung bei der Antrittsvorlesung von Tim Staffel:
