Die Gesellschaft sollte sich im Sinne einer "Gemeinschaft der Lernenden" entwickeln

Die Heinz und Heide Dürr Stiftung will dazu beitragen, die Early-Excellence-Idee bundesweit zu verankern. Dabei unterstützt sie Träger und Einrichtungen, die sich engagiert für die Umsetzung der Idee in die Praxis einsetzen. Ziel ist es, dass sich in weiteren Bundesländern Early Excellence Center etablieren, die ihre Erfahrungen und Expertise in ein größeres Netzwerk einbringen können. 

Die Stiftung fördert unter anderem folgende Standorte:

Pestalozzi Fröbel Haus Berlin 
Kinderhaus St. Josef Stuttgart
Kinderhaus St. Stefan Stuttgart
Familienzentren in Hannover
Kindertagesstätte der evangelisch-lutherischen Paulus Kirchengemeinde Wolfsburg


 

 

 
 
Evaluationsforschung in Berliner Early Excellence Centers

Ein Wissenschaftlerteam hat über zwei Jahre die Arbeit in zwei Early Excellence Centers des Pestalozzi-Fröbel-Hauses Berlin evaluiert. Finanziert wurde das Forschungsprojekt durch die Heinz und Heide Dürr Stiftung.

So entstand ein Evaluationsbericht, der die pädagogische Arbeit in den beiden beteiligten Einrichtungen sowie die Lernprozesse von Kindern und Erwachsenen nachzeichnet. Die Darstellung der Forschungsergebnisse ist darauf ausgelegt, die Reflexion und Weiterentwicklung der pädagogischen Arbeit zu unterstützen.

Autorinnen des Berichts sind Judith Durand, Hilke Eden und Dr. Roswitha Staege. Begleitet wurde die Arbeit von Prof. Dr. Gerd E. Schäfer. Der Abschlussbericht wurde im Dohrmann Verlag veröffentlicht unter dem Titel: "Kita als Praxis und Lernkultur".


 

 
Ergebnisse der Evaluation zusammengetragen von Heide Dürr

Jedes Kind muss gleiche Bildungschancen haben und das von Anfang an. Denn was in den ersten Jahren der Menschwerdung versäumt oder falsch gemacht wird, ist später in der Schule, in der Uni nur schwer wieder gutzumachen. Den Eltern ist es naturgemäß ein Bedürfnis, das Beste für ihre Kinder zu wollen. Und die Pädagogen haben durch ihre Ausbildung die Möglichkeiten, richtige Wege zu finden, den Eltern die Augen für die Stärken ihrer Kinder zu öffnen.

Aus den Erfahrungen der Praktiker und Prakterinnen in den Einrichtungen, über Rückmeldungen aus Schulen und von Eltern wissen wir, dass das System Early Excellence gut funktioniert. Diese Erfahrungswerte aus der Praxis wollten wir in einen Dialog mit der Wissenschaft bringen. Daher hat die Heinz und Heide Dürr Stiftung Wissenschaftlerinnen der Universität Köln beauftragt, die Entwicklungsprozesse in Early Excellence Zentren exemplarisch anhand zweier Berliner Einrichtungen nachzuzeichnen. Über zwei Jahre wurde im Kinder- und Familienzentrum Schillerstraße und in der Kindertagesstätte Barbarossastraße die praktische Arbeit wissenschaftlich beobachtet, dokumentiert und bewertet. Das Fazit: Early Excellence wirkt sich positiv auf die Lernbedingungen von Kindern aus und stärkt die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Eltern.

Die moderne Hirnforschung hat herausgefunden, dass Kinder in einem Umfeld besser lernen, in dem sie sich wohlfühlen. Die spätere Erinnerungsleistung wird dadurch maßgeblich bestimmt. Außerdem sind Menschen ‚leistungsfähiger’, wenn sie aufgrund ihrer eigenen Kompetenzen erfolgreich handeln können. Das nennen die Psychologen Selbstwirksamkeit. Erfolgreiches Handeln ist aber nicht nur Selbstzweck, sondern immer auch auf die Gesellschaft ausgerichtet. Soziales Verhalten, also Sozialkompetenz gehört somit genauso zur Bildung. Gerade dieser Bereich wird in der Bildungsdiskussion aber häufig vernachlässigt.

Die vorliegende Evaluation kommt zu dem Ergebnis, dass Early Excellence gerade auch in den Bereichen Selbstwirksamkeit und Sozialkompetenz wissenschaftlich nachweisbare Effekte hat: Die Kinder in den evaluierten Einrichtungen werden zur Eigenständigkeit ermutigt, entwickeln Selbstvertrauen und Sicherheit und sind lösungsorientierter. Sie werden durch Dokumentationen zur Selbstreflexion und zur Kommunikation angeregt. Denn über Dokumentationen kommen Kinder mit Erzieherinnen, Eltern und untereinander ins Gespräch.

Die Arbeitsweisen von Early Excellence – u.a. die offene Arbeit, eine bewusst gestaltete Lernumgebung und für Kinder zugängliche Materialien - schaffen nicht nur Anreize zum Lernen, sondern wirken sich auch auf Denkmuster von Erzieherinnen aus. Die Praktikerinnen schaffen durch ihr Wissen über die Bedürfnisse der einzelnen Kinder bessere Lernbedingungen. Dies wird durch die Systematik des Early Excellence Ansatzes, über Beobachtungen und fördernde Angebote, erst ermöglicht. Wichtig ist dabei neben der differenzierten Analyse nach Schemata, Engagiertheit und Bildungsbereichen vor allem auch das Eingehen auf das emotionale Wohlbefinden und die individuellen Fähigkeiten von Kindern. Die Instrumente von Early Excellence bewirken so nachhaltige Lernprozesse und stehen für Bildungsqualität, die Kinder auch auf schulische Lernanforderungen vorbereitet.

Mit Blick auf die Eltern können Lernerfahrungen von Kindern durch Dokumentationen nachvollzogen und besser vermittelt werden. Sie geben den Eltern Einblicke in alltägliche und besondere Ereignisse in der Kita sowie in bildungsrelevante Aktivitäten ihrer Kinder. Kita und Elternhaus gehen in einen Dialog. Dokumentationen befördern zudem die Reflexion der Eltern über ihre Kinder. Durch den Austausch mit den Bezugserzieherinnen und anderen Ansprechpartnern fühlen sich Eltern in ihren Bedürfnissen und Anliegen ernst genommen. Über Familienzentren treten sie darüber hinaus mit anderen Eltern in Kontakt und können eigene soziale Netze aufbauen. Die Elemente von Early Excellence ermöglichen ‚Elternbildung' auf Augenhöhe, ohne belehrend zu sein.

Ganz wichtig aber ist, dass das Early Excellence Konzept die Erzieherinnen in ihrer Professionalisierung unterstützt. Praxiserfahrung initiiert Lernprozesse und eine ständige Weiterentwicklung der Methodik. Die Instrumente von Early Excellence regen zur Selbstreflexion an und stärken die Erkenntnis, dass das Zulassen der kindlichen Eigentätigkeit für individuelle Bildungsprozesse wichtig ist. Darüber hinaus fördern sie Teamfähigkeit über die Erfahrung, sich aufeinander verlassen zu können. 

Die Veröffentlichung der Evalutionsergebnisse soll anhand von Fallbeispielen Anregungen geben, Early Excellence in unterschiedliche Kontexte und Einrichtungen zu übertragen. Wir möchten nicht nur die Praxis, sondern auch die Wissenschaft einladen, an dem angesammelten Erfahrungsschatz in den Berliner Zentren teilzuhaben. Alt-Bundespräsident Johannes Rau hat einmal gesagt: „Die Schule der Nation ist die Schule.“ Die Evaluation verdeutlicht: „Die Schule der Nation ist die KiTa.“


 
 

Mehr Informationen über aktuelle Entwicklungen im Early Excellence Netzwerk finden Sie auch Online im Newsletter des Vereins "Early Excellence - Zentrum für Kinder und ihre Familien e.V."


 
 
 
 
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